Tyrosin: ­čĺ¬ Aminos├Ąure mit besonderer Wirkung?

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Tyrosin, oder speziell L-Tyrosin, macht seit einiger Zeit die Runde als ein Stoff, der in Energy geh├Âren soll. Daher taucht er auf einmal in allerlei Produkten auf: In der Apotheke, in Energy Drinks oder Bodybuilder-Shops. Zeit f├╝r einen genaueren Blick auf Tyrosin.

Was ist Tyrosin?

Eine Aminos├Ąure. Darunter versteht man Substanzen mit bestimmten chemischen Komponenten, n├Ąmlich einer Aminogruppe und einer Carbons├Ąuregruppe. Daher der Name: AminoS├Ąure. Alles klar? Entschuldige den Flashback in die zehnte Klasse.

L-Tyrosin Struktur

Aminos├Ąuren sind einige der zentralen Stoffe in jedem Lebewesen, denn aus ihnen setzen sich Proteine – Eiwei├če – zusammen. Was wir unter Eiwei├č verstehen ist nichts anderes als verschiedene Aminos├Ąuren, die miteinander verbunden sind. Je nach Mischung und Verkn├╝pfung der beim Menschen 21 verschiedenen Aminos├Ąuren entstehen verschiedene Proteine, die ganz unterschiedliche Funktionen ├╝bernehmen. Andere Organismen nutzen auch andere Aminos├Ąuren, man findet sie aber in jedem Lebewesen, vom Bakterium ├╝ber alle Pflanzen und Tiere bis zum Menschen. Einige kann der Organismus selbst herstellen (nicht-essentielle Aminos├Ąuren), andere muss er mit der Nahrung zuf├╝hren (essentielle Aminos├Ąuren).

Leben kann man sich ohne diese Substanzen nicht vorstellen. Wenn wir also beispielsweise nach Bausteinen des Lebens auf dem Mars suchen, sind damit h├Ąufig Aminos├Ąuren oder ihre chemischen Vorl├Ąufer gemeint.

El Tyrosin ­čĺâ­čĆ╗?

Aufgrund ihrer chemischen Konstellation kann man zwischen L- und D-Aminos├Ąuren unterscheiden, gemeint ist damit die r├Ąumliche Ausrichtung der beiden oben genannten chemischen Gruppen. Bei der Strukturformel da oben m├╝sste man f├╝r die D-Form dieses “NH2” mit ein paar Strichen anstelle eines Keils zeichnen, oder die ganze Grafik spiegeln.

Die L-Form ist mit gro├čem Abstand die h├Ąufigere. Lange ging man davon aus, dass D-Aminos├Ąuren absolute Exoten ohne Bedeutung sind. Mittlerweile wissen wir, dass es absolute Exoten mit Bedeutung in einigen wenigen Spezialf├Ąllen sind.┬á Wenn es aber nicht um eben diese F├Ąlle geht, geht man einfach vom L-Tyrosin aus.

Wenn man also von L-Tyrosin spricht, ist das zwar an sich korrekt. Es offenbart aber auch fehlendes Verst├Ąndnis f├╝r die Thematik, denn niemand, der sich damit auskennt, w├╝rde das “L” bewusst davor setzen. Das ist ungef├Ąhr so, als w├╝rde man im Caf├ę “bitte einen Kaffee mit Koffein” bestellen. Klar, gibt ‘ne andere Variante. Aber wir haben uns alle mal insgeheim darauf verst├Ąndigt, dass wir beim Kaffee davon ausgehen, dass er Koffein hat. Wer den gezielt hervorhebt wird eher komisch angeguckt.

Beim Tyrosin gilt also, wie bei praktisch allen Aminos├Ąuren: Wenn nicht speziell die D-Form oder eine Mischung erw├Ąhnt wird, geht man beim Begriff “Tyrosin” immer von der L-Form aus.

Die Wirkung in der Theorie

Tyrosin ist eine nicht-essentielle Aminos├Ąure. Der K├Ârper kann sie also selbst herstellen. Daraus macht er dann bestimmte Schilddr├╝sen-Hormone und Neurotransmitter. Also letztlich Substanzen, die im ganzen K├Ârper, speziell im Gehirn, sagen wo’s langgeht.

Die Schilddr├╝sen-Hormone sind f├╝r uns gerade nicht besonders interessant. Sie seien nur deshalb erw├Ąhnt, weil die Zufuhr von Tyrosin bei Erkrankungen der Schilddr├╝se mitmischen kann. Wer also Schilddr├╝sen-Tabletten nimmt, sollte mit dem Stoff vorsichtig sein. Gleiches gilt f├╝r einige Antidepressiva, die in den Stoffwechsel von bestimmten Neurotransmittern eingreifen. Au├čerdem gibt es Erkrankungen, bei denen der K├Ârper Probleme dabei hat, Tyrosin herzustellen. Dann ist es nat├╝rlich sinnvoll, Tyrosin zuzuf├╝hren. Aber wir gehen mal vom gesunden Menschen aus, der sich fitter und wacher f├╝hlen m├Âchte.

Spannend wird es dann nat├╝rlich bei den Neurotransmittern, da wurschteln wir ja gerne mit herum (siehe Koffein). Die Rede ist von “Gl├╝cksbotenstoffen” wie Dopamin, die man zum Beispiel durch den Genuss von Schokolade boosten k├Ânnen soll. Bei Tyrosin ist da auch was dran: Aus Tyrosin macht der K├Ârper Dopamin und Noradrenalin. Beides Stoffe, die uns Gl├╝cksgef├╝hl vermitteln, unsere Aufmerksamkeit steigern und daf├╝r sorgen sollen, dass wir uns fitter f├╝hlen. Die Idee ist also: Wenn wir genug vom Ausgangsstoff (Tyrosin) in den K├Ârper packen, macht der daraus die Stoffe, die im Gehirn f├╝r die erw├╝nschte Wirkung sorgen (Dopamin, Noradrenalin).

Die Wirkung in der Praxis

Das st├Â├čt blo├č auf ein Hindernis: Warum sollte er das tun?

Unser Gehirn ist ein verflucht kompliziertes System und unser K├Ârper sehr darauf bedacht, bei den Botenstoffen, die er da durch schickt, keinen Bl├Âdsinn zu machen. Also wird auch die Produktion dieser Stoffe genau reguliert. Kippe ich einfach eine Menge Ausgangsstoff dazu, springt ja nicht automatisch die Maschine an, die daraus etwas anderes macht. Wenn wir hier eine Tonne Koffein rumstehen h├Ątten, w├╝rden wir ja nicht automatisch Unmengen Reboot draus machen. Da muss erst noch eine ganze Menge passieren. Und vielleicht ist es kl├╝ger, den Ausgangsstoff einzulagern, anderweitig zu verwerten oder schlicht zu entsorgen.

Futtere ich also zus├Ątzlich (der K├Ârper kann es schlie├člich bei Bedarf auch selbst herstellen) Tyrosin, hei├čt das f├╝r den K├Ârper erst einmal: Gar nichts.

F├╝r die Elitesoldaten unter euch ­čÄľ´ŞĆ

Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit Tyrosin besch├Ąftigen. Die meisten verwenden riesige Mengen (wir sprechen ├╝ber Teel├Âffel voll Pulver am Tag) und meinen dann, bestimmte Ver├Ąnderungen feststellen zu k├Ânnen. Dabei kam raus, dass Tyrosin einige Effekte wohl wirklich hat. N├Ąmlich bei gro├čem (k├Ârperlichen) Stress. Eine Studie hat tats├Ąchlich 23 junge Soldaten f├╝r ├╝ber vier Stunden in eine Kammer gesteckt, in der gro├če H├Âhe und K├Ąlte simuliert wurden (also niedriger Luftdruck und niedrige Temperaturen). Wer dabei anstelle eines Placebos einige Gramm Tyrosin bekommen hat, konnte diese Prozedur mit besserer Laune und in besserer k├Ârperlicher Verfassung ├╝berstehen. Die gezahlte Aufwandsentsch├Ądigung ist mir leider nicht bekannt.

Das erscheint auch ganz logisch: In einer solchen Situation verbr├Ąt der K├Ârper schnell die Botenstoffe, die daf├╝r sorgen, dass der K├Ârper fit und die Laune gut bleibt. Wenn die Maschine auf vollen Touren l├Ąuft, ist es nicht schlecht, einen gro├čen Vorrat vom Ausgangsstoff zu haben. Wenn alle Apotheken in Deutschland gleichzeitig ihr Lager voll mit Reboot Brause auff├╝llen wollten, w├Ąre die Tonne Koffein hier sehr praktisch. Ansonsten st├╝nde sie eher im Weg rum.

Fazit

Wer sich gezielt gro├čem k├Ârperlichen Stress aussetzt, beispielsweise in einer milit├Ąrischen Eliteeinheit oder als Extrem- oder Leistungssportler, kann von der Gabe von Tyrosin wohl profitieren. Die kriegen aber ohnehin Proteinshakes, die eben auch gro├če Mengen Tyrosin enthalten. Alle anderen k├Ânnen sich das Zeug mit ziemlich gro├čer Sicherheit sparen. Die gute Nachricht: Es schadet nicht. Na immerhin. Erinnert das sonst noch jemanden an Taurin?

Im Sinne unserer Anti-Bullshit-Policy verzichten wir auf das Sponsoring deutscher Kampftaucher und lassen alle, die sich aus 39km H├Âhe aus einer Kapsel st├╝rzen weiterhin so tun, als w├╝rden sie Dosenbrause schl├╝rfen. Die ├╝brigens auch kein Tyrosin enth├Ąlt. Allen anderen Freunden von sinnvollem Energy sei ein Blick auf unsere Brause empfohlen:

Ôťů Reboot findest du direkt bei Amazon oder in unserem eigenen Shop!

Stefan

Stefan hat in M├╝nster Pharmazie studiert und ist mittlerweile approbierter Apotheker. Noch w├Ąhrend des Studiums entwickelte er "Der Katerkiller". Aus rechtlichen Gr├╝nden wurde das Produkt leicht ver├Ąndert als "Reboot" neu rausgebracht. Wenn er nicht gerade ├╝ber Dosenbrausen und obskure Mittelchen herzieht, arbeitet er bei einem Fachverlag und denkt sich Apps aus.

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Dein REBOOT! ­čÜÇ